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Die Ermordung der Menschen in Hanau ist eine weitere Tragödie. Eine WEITERE. Es reicht.

In dieser Gesellschaft, reich an Vielfalt, reich an Wissen und reich an Wohlstand werden Menschen diskriminiert und bedroht. Wegen ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe, ihres Geschlechts, ihrer Behinderung, ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Armut. In dieser reichen Gesellschaft existiert ein Mangel an Solidarität, Empörung und Tatkraft, sich endlich gegen Rassismus, Sexismus und Diskriminierung zu stellen.

Was hat das mit mir zu tun?

Ich nehme mich hier nicht raus. Ich zähle mich zu dem Teil der Gesellschaft, der durch seine Privilegien geschützt ist. Und ich selbst habe zu lange nicht wahrhaben wollen, dass dieser rechte Terror System hat und an Macht gewinnt. Und ich habe auch zu oft nicht den Mund aufgemacht, wenn People of Colour „einfach so“ von der Polizei kontrolliert werden, wenn rassistische oder sexistische Sprüche „nur Spaß sind“, wenn „Zigeunerschnitzel oder -sauce“ auf der Speisekarte steht, wenn helles Makeup als „natürlich“ beworben wird, wenn Typen in der Bahn ihre Beine nicht zusammenbekommen oder andere Typen glauben, Frauen alles erklären zu müssen, wenn einer seinen Hund anbrüllt oder den Klimawandel leugnet.

Ich habe mich dafür oft verurteilt und gefragt: Warum bleibe ich still? Was hält mich in diesen Momenten davon ab, mich einzusetzen?

Achtsamkeit hat mich gelehrt, mich nicht zu verurteilen. Zum einen kann man sich zu leicht dahinter verstecken und außerdem hilft es nicht weiter. Achtsamkeit hat mich gelehrt, innerlich Abstand zu einer Situation, einem Gedanken oder einem Gefühl zu gewinnen, um handlungsfähig zu bleiben. Denn ich bin nicht das Gefühl, ich bin nicht der Gedanke, und ich bin nicht das Herzrasen. Ich habe gelernt, genauer hinzuschauen, in mich hineinzuhören. Auch wenn es nicht immer angenehm ist, was mich in meinem Innern an Selbsterkenntnis erwartet (und damit meine ich meine Gedanken und Erklärungen, die selbst nicht achtsam und mitfühlend sind).

Wovor habe ich nun also Angst?

Denn das ist das ausschlaggebende Gefühl. Es ist die Angst, Ablehnung zu erfahren; Angst, selbst angegriffen zu werden; Angst, nach dem ersten mahnenden Satz nichts mehr herauszubekommen, vor Nervosität keine Argumente mehr zu finden, obwohl sie da sind, zu verstummen, zu erstarren; davor, gar nicht erst gehört zu werden; davor, ausgelacht zu werden, die Spielverderberin zu sein …

Aber ist das nicht eine Angst, die man bewältigen kann, verglichen mit der Angst der Menschen, die Opfer von Gewalt werden?

Achtsamkeit hat mit uns selbst zu tun, mit unserem Selbstwert und unserer Selbstliebe. Also nehme ich diese Gefühle und Gedanken an und gehe mitfühlend mit mir um. Ich verurteile mich nicht für meine Ängste, sondern gehe ihnen auf den Grund.

Gleichzeitig kann ich mich aber auch nicht auf dem „ich“ und „mir“ ausruhen, denn Achtsamkeit hat immer mit uns im Verhältnis zu unserer Umwelt zu tun. Mit unserem Mitgefühl und unserem Einsatz für andere Menschen, für die Natur, ihre Ressourcen, die Tiere und Pflanzen. Eine Medaille hat immer zwei Seiten. Ich bin daher davon überzeugt, dass aus der Achtsamkeit mir gegenüber, aus meiner eigenen Wertschätzung der Mut und die Energie entspringen können, den Mund aufzumachen, mich einzumischen, Menschen „zu nerven“, Familienfeiern zu stören, mich und andere gegen Belästigung zu wehren, mich für den Schutz der Umwelt und das Beenden der Qualen von Tieren einzusetzen.

Gandhi hat schon gesagt „Sei du selbst die Veränderung, die du dir für diese Welt wünschst.“

Und wenn mich jemand ablehnt, weil ich meine Meinung vertrete und mich für andere einsetze, dann ist das so. Es hat nichts mit mir und meinem Wert zu tun.

Und wer mit Gleichgültigkeit gegenüber der Welt reagiert, der liebt sich nicht selbst. Denn wir sind jede und jeder für sich ein Teil dieser Welt und alles, was wir denken und tun, wird zu uns zurückkommen. Ob wir es wollen oder nicht.

Also nutzen wir Achtsamkeit als Möglichkeit, hoffnungsvoll zu bleiben und aktiv zu werden. Für diese wunderbare Welt und für uns selbst und gegen Rassismus, Sexismus, Diskriminierung, rechte Systeme und Gewalt.

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