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Meine Angst

Ich hatte in den letzten Jahren eine große Angst. Die Angst, einen geliebten Menschen zu verlieren. Das Paradoxe war, dass dieser Mensch bereits verstorben war.

Meine Angst drehte sich um den Gedanken, diesen Menschen endgültig zu verlieren, wenn ich aufhöre zu trauern. Ich hatte Angst, meine Trauer loszulassen. Denn ich dachte, wenn ich nicht mehr trauere, dann verblassen alle Erinnerungen, dann kann ich ihr Lachen nicht mehr hören und ihre Umarmung nicht mehr spüren.

Also habe ich diese Angst viele Jahre unterdrückt, in mein hinterstes Bewusstseinskämmerchen verbannt und meine Trauer kultiviert.

Gefühle wollen wahrgenommen werden

Angst, Wut oder Hass lassen sich nicht auf Dauer unterdrücken. Irgendwann drängen sie wieder an die Oberfläche und sind größer als zuvor. Es kostet viel Kraft, schwere Gefühle zu unterdrücken und im schlimmsten Fall kann es dich krank machen.

Was also tun?

Umarme deine Angst, umarme deine Sorgen, umarme deine Wut, umarme deinen Hass.
Nimm deine Gefühle an, lade sie ein und heile sie, indem du dich mit ihnen beschäftigst. Das mag abstrus klingen, aber indem du deine Gefühle annimmst, ihnen zugestehst, dass sie zu dir gehören, erhältst du die Kraft, sie zu verändern, sie zu mildern. Sage dir in Gedanken zum Beispiel „Hallo Angst, du bist hier und gehörst zu mir. Ich werde dir meine Zeit widmen und mich um dich kümmern.“

Das kann wehtun. Aber es lohnt sich.

Wenn du noch am Anfang deines achtsamen Lebens stehst, dann begebe dich nicht alleine auf diese Reise – suche dir eine Person, die dich dabei unterstützen kann. Es gibt unglaublich viel hilfreiche und tröstliche Literatur dazu. Aber nur in der direkten Auseinandersetzung mit deinen Gefühlen kannst du sie auch loslassen.

Regelmäßig Achtsamkeit zu üben und zu praktizieren kann dich bereits darin unterstützen, eine wohlwollende und wertfreie Haltung zu deinen Gefühlen zu entwickeln.

Wie ich meine Angst umarmte

Manchmal sind es kleine Auslöser, die den Prozess der Heilung in Gang bringen.

Ich habe eines Tages einen alles verändernden Satz einer Trauerbegleiterin gelesen.

 „Trauern ist erinnernde Liebe“

Ich las ihn immer und immer wieder und spürte, dass sich dadurch etwas in mir veränderte.
Es war der entscheidende Impuls, mich meiner Angst anzunehmen und sie endlich loszulassen. Ich habe meiner Angst gesagt: „Es ist ok, dass du mich begleitet hast, aber nun darfst du gehen.“

Ich hatte verstanden, dass ich den geliebten Menschen nicht endgültig verliere, wenn ich aufhöre zu leiden. Ich musste nicht mehr leiden, um meine Erinnerung an sie aufrechtzuerhalten. Ich konnte den Trost der Liebe spüren, wenn ich an sie dachte. Das war mein heilsamer Prozess.

Und schließlich konnte ich das Gefühl des Verlusts ersetzen durch eine tiefe Dankbarkeit. Dankbarkeit für die Zeit, die ich mit diesem Menschen verbringen durfte und Dankbarkeit für alles, was sie mich gelehrt hat, um ein zufriedenes Leben zu führen.  

Wenn ich heute an meine Mutter denke, dann empfinde ich tiefe Dankbarkeit und Liebe. Und natürlich fehlt sie mir – jeden Tag. Aber ich kann mich jeden Tag an ihr Lächeln erinnern, an ihren Geruch und ihre Umarmung und bin glücklich.

Mit dieser Veränderung geschah aber noch etwas. Aus der Verwandlung meines Verlusts und meiner Angst in Dankbarkeit entstand eine enorme innere Kraft – eine strahlende Energie. Diese Energie gibt mir auch heute den Mut, mein Wissen und meine Erfahrungen zu teilen und Menschen auf ihrem Weg zu einem kraftvolleren Leben zu begleiten.

Umarme deine Angst, deine Wut, deinen Hass – und erfahre, welche positive Entwicklung daraus entstehen kann.

Bildquelle: Sasin Tipchai auf Pixabay

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